Drama für Keltereien und Wirte
Frostschäden im Frühjahr lassen Apfelwein knapp werden

Drama für Keltereien und Wirte

Die Zeitung mit den großen Buchstaben schlug schon im August Alarm: »Frost hat unser Stöffche zerstört.« Jetzt wo die Apfelernte auch im Landkreis Miltenberg fast beendet ist, zeigt sich tatsächlich, was die kalten Nächte im April angerichtet haben.

Besonders hat getroffen hat es die Kelterei Leers in Miltenberg. »Wir haben jetzt die 34. Kelterzeit gehabt, aber so etwas habe ich noch nie erlebt«, sagt Seniorchefin Ursula Leers auf Anfrage unseres Medienhauses. Und ergänzt ernüchtert: »Es war nichts dieses Jahr.« Ihr Sohn habe gerade einmal zwei Hänger voll Äpfel zusammenbekommen. »Dafür rentiert es sich gar nicht, den Kelter anzuschmeißen, normalerweise haben wir zig Tonnen im Jahr«, kommentiert sie. Um die aktuelle Nachfrage der Verbraucher und Gastronomie abzudecken, läge aber vorerst noch »Stöffche« auf Lager.

Ihr Kollege Manfred Kuhn von der gleichnamigen Kelterei in Elsenfeld hat zwar noch eine kleine Menge Apfelwein produzieren können, spricht aber von einem 90-prozentigen Verlust. »Es war das schlechteste Jahr überhaupt«, bilanziert er. Und schätzt den finanziellen Ausfall auf 200 000 bis 300 000 Euro. Für den Apfelwein, den er jetzt noch gekeltert hat, musste er Obst aus Südtirol zukaufen, obwohl er selbst Flächen hat. Weil die aber statt der üblichen 300 Tonnen diesmal nur 10 Tonnen brachten, will er einen Entschädigungsantrag stellen beim Freistaat.

Der Landtag hatte beschlossen, Betriebe zu unterstützen, die mindestens einen Ernteausfall von 30 Prozent verkraften mussten. Die Schäden werden bis zu einer Höhe von 50 Prozent ersetzt, und zwar bis zu einem Betrag von maximal 150 000 Euro.

Erst Frost, dann Diebe

Schwer getroffen hat es auch Josef Zimlich vom Gasthaus zur Post in Amorbach-Reichartshausen an. Der in der Region bekannt ist für seinen selbst produzierten Apfelwein. Ihn hat es zweifach gebeutelt: erst der Frost und dann Diebe. »Wir kriegen dieses Jahr gar nichts auf die Reihe«, gibt er Auskunft.

Auf einem 50 Kilometer entfernten Grundstück habe er mit seinen Helfern die Äpfel in den nächsten Tagen ernten wollen, aber: »Am Wochenende ist alles geklaut worden.« Selbst die ausgefallene Ernte hätte bei weitem nicht ausgereicht, um die Menge zu liefern, die im Gasthaus nachgefragt wird, »ich hätte wohl zukaufen müssen«.

Was er jetzt ohne eigenen Apfelwein Jahrgang 2017 macht, weiß er noch nicht. Fremden Apfelwein zu kaufen, kommt für ihn aber nicht in Frage. Zumal das Lager noch gut gefüllt ist. »So kommen wir über das nächste Jahr noch einigermaßen rüber«, fügt er an. Ab Januar 2019 werde es aber wohl dünn. »Dann müssen die Leute eben Wein und Bier trinken«, nennt er eine mögliche Alternative.

Frühzeitig vorgesorgt

Derartige Sorgen müssen sich die Kellerfreunde Schneeberg nicht machen. »Wir haben mehr als die Jahre zuvor«, freut sich der erste Vorsitzende Jürgen Kuhn. Was auch daran liege, dass sich der Verein angesichts der abzusehenden Ausfälle durch den Frost frühzeitig um alternative Standorte gekümmert habe. »Sogar in Frankreich haben wir Spione ausgesandt«, konkretisiert er die Suche nach Rohmaterial.

Fündig wurden die Kellerfreunde schließlich ganz in der Nähe in Freudenberg im Rauch-Zoo, dank der Erlaubnis von Seniorchefin Elfriede Rauch. »Da hatten wir wenige große Grundstücke und konnten konzentriert arbeiten«, sagt Kuhn.

Das Thema Diebstahl beschäftigt aber auch die Kellerfreunde, welche die Mosttradition in Schneeberg pflegen und zum Beispiel auch Führungen für Kindergärten und Schulen anbieten. »In Kirschfurt wurden uns jetzt Äpfel geklaut. Das ist ein Drama hoch fünf dieses Jahr«, ärgert sich der Vorsitzende. Doch vergleichsweise sind Kuhn und seine Mitstreiter noch mit einem blauen Auge davongekommen. »Wenn die restlichen Äpfel jetzt noch bis zum Schluss dranhängen, sind wir gut aufgestellt«, formuliert er angesichts des grassierenden Obstklaus vorsichtig. Wobei der Verein im Gegensatz zu den Keltereien und Wirten keine großen finanziellen Ausfälle zu verzeichnen hat. Der selbst hergestellte und unbehandelte »Moscht« wird nicht abgefüllt, sondern frisch gezapft vor Ort ausgegeben, etwa bei Kellerführungen oder Festen.

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Autor:
Ralph Bauer
Quelle:
Main Echo